Interview mit der alten und neuen Juniorenweltmeisterin Kira Homeyer

Kira, Gratulation zu Deinem überlegenen Titel! Du hast vor zwei Jahren in Chicago bei Deiner ersten WM schon den Mehrkampftitel gewonnen. Wie fühlt sich die Goldmedaille von Lignano im Vergleich an?

Kira: Damals bei meiner ersten Welmeisterschaft war ich viel aufgeregter als jetzt und konnte mich nicht so gut auf meine Übungen konzentrieren. Eigentlich habe ich dort auch gar nicht so schön geturnt… dieses Mal wusste ich allerdings, was auf mich zukommt und konnte mich viel besser konzentrieren. Die Übungen selber waren dadurch viel besser und haben mehr Spaß gemacht, besonders meine Lieblingsdisziplin Gerade hat sehr gut geklappt, sodass sich der Titel in diesem jahr noch ein bisschen schöner anfühlt.

Stichwort Gerade: Deine Kür sticht aus allen anderen heraus, ist nicht nur mit Höchstschwierigkeiten sondern vor allem auch mit kreativen Übergängen und neuen elementen gespickt. Wie kam es zu dieser Übung?

Kira: Naja, immer nur „normale“ Teile im Training zu üben wird irgendwann langweilig und macht keinen Spaß mehr. Dann fange ich halt an, neue Sachen auszuprobieren; manchmal habe ich selber die Ideen dazu, manchmal die Trainer. Meistens entstehen solche Teile allerdings dadurch, dass irgendetwas nicht wie geplant klappt und man dann auf einmal etwas ganz anderes, neues, macht.

Deine ganze Familie war bei Deinem Wettkampf dabei: Papa und Schwester als Fans, Bruder als Trainer für die US Amerikaner und Mama als Deine eigene Nationaltrainerin. Hilft Dir die Unterstützung während des Wettkampfs?

Kira: Klar, prinzipiell freut mich das immer, wenn meine Familie dabei ist und mich anfeuert. Vor allem Mama gibt mir immer die Ruhe, die ich vor dem Wettkampf brauche. Manchmal ist es natürlich auch komisch, mit der eigenen Mutter zu turnen, vor allem wenn in der Spirale beim Einturnen mal wieder nicht alles klappt… aber dann zicke ich halt ein bisschen und denke einfach nur: Ich kann meine Kür, turn sie einfach so wie immer und mach das Beste draus. Dann klappt das auch immer ganz schnell wieder.

Nicht nur in der Spirale kann nicht immer alles klappen, auch im Sprung hattest Du vor einigen Wochen noch einen kleinen Durchhänger. Am Dienstag im Wettkampf hat Deine Schraube aber perfekt geklappt, wie hast Du das geschafft?

Kira: Das stimmt. Nach unserem WM Vorbereitungslehrgang, bei dem kein einziger Sprung funktioniert hat, habe ich einfach ein Wochenende lang kein Sprung gemacht, um den Kopf frei zu bekommen. Technisch mussten wir ja nichts verändern… ich kann den Sprung ja eigentlich! Als ich dann wieder angefangen habe, hat in meinem Kopf auch wieder alles wie gewphnt funktioniert, jetzt habe ich überhaupt keine Angst mehr und der Sprung fühlt sich super an.

Nach Höchstwertungen in allen drei Disziplinen am Dienstag bist Du auch für die Einzelfinals am Freitag die Topfavoritin. Wie gehst Du damit um? Und wo siehst Du die größte Konkurrenz?

Kira: Im Moment bin ich noch gar nicht aufgeregt, vielleicht kommt das noch. Am Freitag versuche ich dann einfach alles nochmal genau so gut zu machen wie im Mehrkampf; wenn’s dann reicht, freue ich mich, wenn nicht, habe ich trotzdem mein Bestes gegeben. Ich würde mich natürlich auch für meine Teamkameradinnen freuen, wenn sie gewinnen; am Ende soll der ganz oben stehen, der am besten turnt. Die größte Konkurrenz außerhalb von Deutschland kommt sicherlich aus Israel im Geradeturnen, die bauen sich ihre Übungen zwar manchmal etwas seltsam zusammen, haben aber eine tolle Ausführung. Von den anderen Disziplinen habe ich nicht so viel mitbekommen, da mach ich einfach mein Ding und dann wird das schon klappen.