Mit dem Rhönrad von Aachen nach Teheran – Projekt RollEast

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„Spitzhacke“ und Rhönrad in Kassel (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Der Kreis symbolisiert sein Leben. Shahin Tivay Sadatolhosseini, vor 30 Jahren nach Deutschland geflohen, möchte erstmals wieder sein Heimatland Iran besuchen. Anstatt einfach in ein Flugzeug zu steigen, geht er lieber zu Fuß und nimmt als Begleitung sein Rhönrad „Rocinante“ mit. Zusammen starten sie am 22. Dezember 2015 in Aachen ihre beispiellose Reise.

Am heutigen Tag, den 22.11.2016 befindet er sich südlich von Burgas, der viertgrößten Stadt Bulgariens, am Schwarzen Meer. Sein nächstes großes Zwischenziel ist Istanbul.

Erfüllung eines Lebenstraums

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Shahin Tivay Sadatolhosseini (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Lange war die Aktion geplant – im Dezember 2015 beschloss Shahin Tivay Sadatolhosseini aus Aachen, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen. Der ehemalige Rhönradturner und freischaffende Künstler möchte sein Rhönrad zu Fuß in den Iran bringen, um es populär zu machen. Und da Shahin ein Künstler ist, macht er aus seiner Reise ein Kunstprojekt, in dem der Kreis eine große Bedeutung hat.

„Das Rhönrad als Kreis symbolisiert meinen Lebenslauf, denn ich bin in Teheran geboren und möchte nun erstmals wieder meinen Ursprung besuchen.“, erklärt Shahin. Innerhalb von einem Jahr, orientiert am iranischen Kalender, wollte er sein Ziel erreichen. Bereits jetzt ist klar, dass er seinem Zeitraum nicht einhalten wird. Viele Hindernisse sind dazwischengekommen, doch Shahin möchte weitermachen. Schließlich ist der Weg das Ziel und jeder Tag besonders und einmalig.

Bereits über 3.400 km erwandert

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Schlammwege nach Starkregen (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Während des ersten Teils seiner Reise, den iranischen Wintermonaten Dei, Bahman und Esfand, legte er in 89 Tagen eine Strecke von 1.361 Kilometern zurück. Der Weg führte durch die vier deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen und durch Polen bis an die tschechisch-polnische Grenze.

Dabei schob er sein 100 Kilogramm schweres Rhönrad inklusive festgezurrtes Gepäck vor sich her – durch Stadt und Land, bergauf, bergab, durch Schnee und Schlamm, bei Sonne, Regen und Sturm. Das ist keine gemütliche Wanderreise, wie einige Leute denken, sondern harte Arbeit – körperlich und geistig. Jeder Tag muss neu geplant werden, das Geld ist knapp. Daher wird auf Komfort verzichtet und meist draußen übernachtet, auch im Winter.

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Steinwald in Bulgarien (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Durch zehn Länder wanderte der Rhönrad-Pilgerer bereits: Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich, Slovakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien. Das ist eine Strecke von 3.400 Kilometern. Shahin zählt nur die Kilometer, die er zusammen mit seinem Rhönrad zu Fuß geht.

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Straßen“

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Übernachtung im Wald (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Während seiner Wanderung lässt sich Shahin durch nichts aufhalten, findet zu jedem Problem eine Lösung: einen Schweißer, der sein gebrochenes Rad repariert, einen dicken Schlafsack für die Outdoor-Übernachtung bei minus 15 Grad Celsius oder er legt selbst Hand an, wenn das Rad alle sieben Meter mit einer dicken Schlammschicht überzogen ist.

Jeden Tag muss er neu organisieren: Welchen Weg gehe ich? Wo finde ich eine Übernachtungsmöglichkeit? Wo finde ich etwas zu Essen und zu Trinken? Jedes Erlebnis und jede Begegnung bringen ihm einen neuen Motivationsschub. Immer wieder gibt es Tiefpunkte, bei denen Shahin ans Aufgeben denkt. Dann unterstützen ihn seine Freundin, seine Familie und sein Freundeskreis.

Menschen kennenlernen, ins Gespräch kommen

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Begegnung in Serbien (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

„Das ist ja verrückt, warum machst du das?“ Diese Frage hat Shahin gefühlt tausend Mal gehört und jedes Mal die gleiche Antwort gegeben. Ins Gespräch kommen, Menschen kennenlernen, das ist ihm wichtig. Daher auch seine exotische Reisebegleitung, die garantiert Aufmerksamkeit weckt.

Schon zu Beginn seiner Reise übertreffen die zahlreichen tiefgründigen Begegnungen Shahins Erwartungen. Das setzt sich fort auf seiner gesamten Reise. Die Menschen begegnen dem Rhönrad-Pilgerer überwiegend positiv. Sie laden ihn zum Kaffee ein, kommen ins Gespräch und nicht selten wird aus dem Kaffee ein Mittagessen oder eine Einladung zum Übernachten.

Gastfamilie in Kamieniec Ząbkowicki (Polen)

Gastfamilie in Kamieniec Ząbkowicki, Polen (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Die Gastfreundschaft ist in jeder Region anzutreffen, was sich von Ort zu Ort verändert, ist die Mentalität der Menschen. So lernt Shahin bereits in Deutschland das volle Spektrum an menschlichen Eigenschaften kennen.

Neben den vielen persönlichen Begegnungen fasziniert den Rhönrad-Pilger vor allem die Verbindung von Landschaft, Natur und Kultur, die er mit seinen Fotografien festhält.

Zwangspause in Serbien durch einen Autounfall

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Das Rhönrad nach dem Unfall (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Im Juli hatte Shahin Glück im Unglück. In Belgrad (Serbien) fuhr ihn ein betrunkener Autofahrer an. Shahin wurde auf die Straße geschleudert. Außer starken Prellungen kam Shahin mit einem großen Schrecken davon. Das Rhönrad und das Auto hatten allerdings einen Totalschaden. Shahin verbrachte eine Woche im Krankenhaus und fuhr danach zurück nach Aachen, um ein neues Rhönrad zu organisieren.

Neues Rhönrad, neue Motivation

Einen Monat später konnte Shahin seine Reise fortsetzen. Anita Wagner von der DJK Olympia Schönau spendete ein Rhönrad, das per Lkw von Schönau an der Brend nach Bukarest transportiert wurde.

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Sonnenaufgang am Schwarzen Meer (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Mit neuer Motivation ging es weiter nach Warna (Bulgarien) am Schwarzen Meer. Hier blieb Shahin mehrere Wochen in einer einfachen Unterkunft, um seinen ersten Bildband „RollEast – Winter“ fertigzustellen.

 

Nun geht es weiter Richtung Türkei. Wer Shahins Reise mitverfolgen möchte, schaut am besten in seinen Blog: rolleast.de.

Landstraße in Süd-Bulgarien

Landstraße in Süd-Bulgarien (Foto: Shahin T. Sadatolhosseini)

Hier veröffentlicht Shahin regelmäßig aktuelle Fotos von seiner Reise.

Bildband Nummer 1: RollEast – Winter

Der 208 Seiten starke Bildband „RollEast – Winter“ zeigt die erste Etappe der Pilgerreise von Shahin. Der Bildband enthält Fotos von Bauwerken, Landschaften, Menschen und öffentlichen Kunstwerken, die Shahin im Winter auf seinem Weg von Aachen bis an die polnisch-tschechische Grenze gemacht hat. Das Rhönrad stellt den roten Faden des Bildbandes dar, das Rad ist in den meisten Motiven das Erkennungsmerkmal.

rolleast-winter_cover_webMit dem Verkauf des Bildbandes möchte Shahin einen Teil seines Kunstprojekt finanzieren. Wer Shahin unterstützen möchte, kann den Bildband „RollEast – Winter“ im RollEast-Shop erwerben. Die ersten 100 Bestellungen im RollEast-Shop erhalten einen limitierten Fotoprint auf Kodak Royal Papier. Bestellungen im RollEast-Shop möglichst bis zum 30.11.2016 aufgeben, damit noch vor Weihnachten eine Sammelbestellung gemacht werden kann.

rolleast.de/shop